Die Hüftdysplasie (DDH) ist der Sammelbegriff für Zustände, in denen Hüftkopf und Gelenkpfanne nicht vollständig zueinander passen. Das Spektrum reicht von leichter Instabilität bis zur vollständigen Luxation. Entscheidend ist: im Säuglingsalter erkannt, wird sie mit einer einfachen Bandage behandelt; spät erkannt, oft operativ. Deshalb wartet man bei der Hüftdysplasie nicht auf Beschwerden, sondern screent.

Warum ist die Früherkennung so wichtig?

In der Neugeborenenzeit formt sich das Hüftgelenk noch. Wird der Hüftkopf in der richtigen Position gehalten, entwickelt sich auch die Pfanne entsprechend. Eine Behandlung in den ersten Monaten lässt das Gelenk seine natürliche Entwicklung selbst vollenden. Mit den Monaten verfestigt sich die Pfannenform und das umgebende Weichteilgewebe verkürzt sich — die Behandlung wird aufwendiger.

Wer hat ein höheres Risiko?

  • Beckenendlage bei der Geburt — einer der stärksten Risikofaktoren
  • Hüftluxation oder frühe Hüftprothese in der Familie
  • Mädchen
  • Erstgeborene sowie beengte Verhältnisse in der Gebärmutter (Mehrlinge, wenig Fruchtwasser)
  • Fußfehlstellung oder Schiefhals (Torticollis)
  • Klassisches enges Pucken

Auch Babys ohne Risikofaktoren können betroffen sein; deshalb gilt das Screening allen Babys.

Das Screening-Programm in der Türkei

Im Programm des Gesundheitsministeriums wird jedes Baby in der Neugeborenenzeit klinisch untersucht; bei auffälligem Befund oder Risikofaktoren folgt die weiterführende Abklärung. Empfohlener Zeitpunkt für den Hüftultraschall sind die ersten 3-6 Lebenswochen, spätestens die 4.-6. Woche.

Ultraschall wird bevorzugt, weil die Hüfte des Säuglings noch weitgehend knorpelig ist und im Röntgen nicht dargestellt wird. Nach dem sechsten Monat erfolgt die Beurteilung wegen der fortschreitenden Verknöcherung per Röntgen.

Was wird untersucht?

Der Arzt prüft die Hüften mit speziellen Handgriffen und achtet zusätzlich auf:

  • Gleiche Abspreizfähigkeit (Abduktion) beider Beine
  • Symmetrie der Oberschenkel- und Gesäßfalten
  • Unterschiedliche Kniehöhe bei gebeugten Knien und nebeneinanderstehenden Füßen
  • Beinlängendifferenz

Kein Befund allein sichert die Diagnose; Untersuchung und gegebenenfalls Ultraschall werden zusammen bewertet.

Wie wird behandelt?

Früh wird mit weichen Hilfsmitteln wie der Pavlik-Bandage behandelt, die die Hüfte gebeugt und abgespreizt hält. Das Baby trinkt, schläft und lebt damit normal. Der Verlauf wird in Abständen per Ultraschall kontrolliert, danach richtet sich die Dauer.

Später erkannte oder mit Bandage nicht einstellbare Hüften benötigen geschlossene Einrenkung und Gips, in höherem Alter eine Operation. Genau deshalb wird die Früherkennung so betont.

Was Familien zu Hause tun können

  • Beine beim Wickeln frei lassen. Die Hüften müssen sich beugen und spreizen können; die Beine dürfen nicht gestreckt zusammengebunden werden.
  • Beim Tragen Positionen und Tragehilfen wählen, in denen die Beine in „M-Stellung" bleiben.
  • Beim Windelwechsel die Beine nicht gewaltsam strecken.
  • Kontrolltermine nicht auslassen; der einzige wirkliche Schutz ist die rechtzeitige Untersuchung.

Wann ohne Zeitverlust vorstellen?

  • Wenn sich ein Bein deutlich schlechter abspreizen lässt
  • Bei deutlich asymmetrischen Oberschenkelfalten
  • Bei Hinken, Watschelgang oder Beinlängendifferenz nach dem Laufenlernen
  • Wenn Risikofaktoren bestehen und der Ultraschall noch nicht erfolgt ist

Weitere häufige Fragen zum Bewegungsapparat: O- und X-Beine und Plattfuß. Für die Hüftbeurteilung Ihres Babys und die Vorsorge können Sie im Özel Düztepe Yaşam Krankenhaus in Şahinbey einen Termin vereinbaren.